20 Jahre Stiftung St. Martin

Am 1. Advent haben wir das Jubiläum der Stiftung St. Martin mit Gottesdienst, anschließendem Empfang im Gemeindehaus, einem festlichen Kaffeetrinken mit den Stifterinnen und Stiftern am Nachmittag sowie dem anschließenden Besuch eines adventlichen Chorkonzertes in der Martinskirche gefeiert. Am Nachmittag hielt der Vorsitzende der Stiftung, der Geistliche Vizepräses i.R. Arend de Vries folgenden Rückblick über die Geschichte der Stiftung:

Es begann unmittelbar nach der Jahrtausendwende. Die Kirchengemeinde St. Martin erhielt eine Erbschaft eines Gemeindegliedes in Höhe von ca. 70.000, damals noch Deutsche Mark. Im Kirchenvorstand wurden viele Projekte genannt, wofür dieses Geld verwendet werden konnte. 

Aber zum Glück hat sich eine andere Idee durchgesetzt. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers startete damals eine so genannte Stiftungs-Initiative. Es zeichnete sich damals schon ab, dass die Kirchengemeinden sich neben den Kirchensteuereinnahmen und den Kollekten noch ein weiteres „finanzielle Standbein“ aufbauen sollten, um bei zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen die Gemeindearbeit zu finanzieren. Um den Gedanken einer Stiftung attraktiver zu machen, gab es von Seiten der Landeskirche eine Bonifizierungs-Aktion: für jeweils drei Euro Stiftungskapital zahlte die Landeskirche einen Euro dazu. Und als dann im April 2002 die selbständige Stiftung gegründet wurde, hatte sie schon ein Grundkapital von 93.000 Euro, die ab dann allerdings in Euro gerechnet wurden. 

Vor der Eintragung in die entsprechenden Register und die Anerkennung durch das Finanzamt musste die Stiftungssatzung erstellt werden. Dabei war wichtig, die Ausrichtung der Stiftung möglichst breit vorzunehmen, denn der Stiftungszweck muss ja auch in fünfzig und hundert Jahren noch aktuell sein. Und so wurde die gesamte Breite der Gemeindearbeit, der Unterhalt der Kirche St. Martin und ggf. auch die Personalkosten von Mitarbeitenden der Kirchengemeinde in den Stiftungszweck aufgenommen. 

Nachdem die Bezirksregierung der Gründung zugestimmt hatte, begann die Suche nach weiteren Zustifterinnen und Zustiftern. Und schon bald fanden sich Menschen bereit, das Grundkapital der Stiftung durch eine eigene Zustiftung in Höhe von mindestens 500 Euro zu erhöhen. Diese Personen kamen zu einem großen Teil aus Nienburg. Aber auch Menschen, die einmal in der Kirchengemeinde beheimatet waren, hier konfirmiert oder getraut worden waren, und dann Nienburg verlassen haben, wollten die Kirchengemeinde und ihre Stiftung gerne unterstützen und machten eine Zustiftung. Insgesamt haben im Laufe der 20 Jahre seit der Gründung 98 Personen dabei mitgeholfen, das Stiftungskapital zu vergrößern. Und einige aus diesem Kreis haben mehrfach Zustiftungen gemacht. 

Es gab auch andere Ideen, um die Stiftung zu unterstützen: Jubilare haben bei runden Geburtstagen und Ehepaare bei Hochzeitsjubiläen auf Geschenke verzichtet und stattdessen ihre Gäste gebeten, einen Betrag für die Stiftung zu geben. Bei Trauerfeiern wurde auf Kränze verzichtet und stattdessen für die Stiftung gesammelt. Bei Trauungen die Kollekte für die Stiftung erbeten. Ein Gemeindeglied hat ein Quartettspiel mit beliebten Chorälen und Liedern entwickelt und es vielfach zugunsten der Stiftung verkauft. Ein früheres Vorstandsmitglied hat sich um den Verkauf von Stiftungs-Secco gekümmert. 

Die Stiftung ist in früheren Jahren auch als Veranstalter aufgetreten, hat Konzerte mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern durchgeführt, deren Erlös für das Stiftungskapital bestimmt waren. Und einige Male hat die Stiftung gemeinsam mit COR LEONIS ein Sommerfest rund um die Martinskirche veranstaltet, deren Erlös ebenfalls der Stiftung zugutekam. Und seit mehr als zehn Jahren veranstaltet die Stiftung mit den „Sommerlesungen“ literarische Abend im Garten, die bei den Gästen sehr beliebt sind. 

Und dann konnte die Stiftung sich im Verlauf der letzten zwanzig Jahre über drei größere Erbschaften freuen, die dem Stiftungskapital einen kräftigen Zuwachs vermittelt haben. Vorstandsmitglieder oder Beauftragte des Vorstandes haben in diesen Fällen die Abwicklung des Nachlasses übernommen. 

Nach der Bonifizierung am Anfang konnte die Stiftung noch dreimal davon profitieren, dass die Landeskirche für jeweils ein Jahr die Zustiftungen im Verhältnis 3:1 bonifizierte. 

Beim Blick auf die lange Liste der Menschen, die Zustiftungen vorgenommen haben oder durch eigene Aktionen die Stiftung gefördert haben, kann man sagen: die meisten gehören nicht zu den „Reichen der Stadt“. Es sind Gemeindeglieder mit mittlerem oder kleinem Einkommen, die einmalig oder mehrfach der Stiftung einen Beitrag haben zukommen lassen. 

Es sind also weitestgehend aktuelle und ehemalige Gemeindeglieder von St. Martin, die zu den treuen Förderern der Stiftung gehören. 

Sie machen die Geschichte der Stiftung St. Martin Nienburg zu einer Erfolgsgeschichte. Im Oktober 2022 verfügt die Stiftung über Vermögen von insgesamt 1.535.607,41 Euro.

Dieses Kapital teilt sich auf in zwei Stiftungssäulen: die eine Säule ist bestimmt für den allgemeinen Stiftungszweck entsprechend der Stiftungssatzung. Die andere Säule mit einem Kapital von 778.340,53 Euro ist ausschließlich bestimmt für die Förderung der Kirchenmusik in der Gemeinde. 

Wie bei allen Stiftungen gelten folgende Grundsätze

  • Alle Zustiftungen werden dem Stiftungskapital zugefügt. 
  • Das Stiftungskapital wird ungeschmälert erhalten; darum gibt es neben dem Grundkapital eine Rücklage zur Erhaltung des Vermögens, die jährlich aus den Erträgen mit einem Inflationsausgleich aufgestockt wird. 
  • Spenden an die Stiftung müssen zeitnah für den Stiftungszweck ausgegeben werden und dürfen nicht dem Grundkapital zugeführt werden. 
  • Das Kapital der Stiftung wird konservativ angelegt und darf nicht für spekulative Anlageformen verwandt werden. 

Diese Grundsätze führen natürlich dazu, dass die Erträge der Stiftung weitestgehend von den jeweils gelenden Zinssätzen abhängig sind. In den ersten Jahren der Stiftung kam es zu kräftigen Zins-Ausschüttungen, in den letzten Jahren waren diese recht mager. Aber nun besteht die Aussicht auf steigende Zinsen in den nächsten Jahren und das wird dazu führen, dass die Stiftung wieder kräftiger die Arbeit der Kirchengemeinde fördern kann. 

Im Blick auf die vergangenen 20 Jahre ist die Summe der Förderungen beachtlich. Insgesamt wurden bislang 201.094,32 an Förderungen ausgeschüttet. Die Stiftung hat, neben vielen Einzelprojekten, folgende Stiftungszwecke besonders gefördert: 

  • 32.953 € für Baumaßnahmen an der Kirche
  • 57.944 € für Kirchenmusik
  •  9.074 € für Kulturveranstaltungen 
  • 56.660 € für Gemeindearbeit (Kinder, Jugendliche, Senioren)
  • 11.955 € Personalkosten der Kirchengemeinde 
  • 14.987 € für die Arbeit in der Kindertagesstätte